Geschichte
Das Genossenschaftswesen entwickelte sich Mitte des vorigen Jahrhunderts im Ergebnis der gesellschaftlichen Veränderungen, die die Industrialisierung in Deutschland mit sich brachte. Die gesetzliche Grundlage dafür war das im Jahr 1889 verabschiedete Genossenschaftsgesetz. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein gemeinnütziges Bauen, das in den 20er Jahren und noch einmal nach dem 2. Weltkrieg für viele Menschen Wohnraum schaffte.
Heute gibt es rund 2000 Wohnungs- und Baugenossenschaften in Deutschland mit über zwei Millionen Wohnungen und mehr als drei Millionen Mitgliedern. Die ältesten Genossenschaften stammen noch aus der Frühzeit des Genossenschaftsgedankens und sind über hundert Jahre alt. Unsere Genossenschaft zählt somit zu den Jüngeren.

AWG1Aus

Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft "Karl Marx" Potsdam

wurde

Wohnungsgenossenschaft "Karl Marx" Potsdam eG

Die Wohnungsgenossenschaft "Karl Marx" Potsdam eG ist die größte der neun genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen der Landeshauptstadt Potsdam. Sie wurde im Mai 1954 als AWG "Karl Marx" Potsdam gegründet.

An der Gründung dieser AWG war zuerst nur der damalige "Lokomotivbau Karl Marx" und einige Monate später auch die DEFA und die Deutsche Post aktiv beteiligt. Aus diesen drei Betrieben kamen schließlich auch die ersten Mitglieder, die heute als Gründungsmitglieder gelten.

Wohnungsbaugenossenschaften der DDR

waren in ein gesamtgesellschaftliches Konzept zur Lösung der Wohnungs(nach)frage eingebunden, zu der sie unstreitig beigetragen haben. In allen wesentlichen Handlungen unterlagen die Genossenschaften der Planwirtschaft, konnten sich innergenossenschaftliche demokratische Mehrheitsverhältnisse jedoch bewahren, was z. B. bei Delegierten- und Wahlversammlungen seinen Ausdruck fand. Allerdings mussten sie sich dabei nicht als Selbsthilfe-Einrichtung bewähren; vielmehr nahmen sie fast ausschließlich staatliche Hilfe, hauptsächlich als günstige Baukredite und als Baugrund-Überlassung, in Anspruch.

Patrizierweg3Plattenbau in industrieller Bauweise

In den ersten 35 Jahren ihres Bestehens hatte die Genossenschaft einen Bestand von 7.471 Wohnungen erreicht, die sich sehr differenziert auf die Potsdamer Wohngebiete verteilten. Gut 90 Prozent des Bestandes sind sogenannte Plattenbauten, die in industrieller Bauweise entstanden.

Bau eines der ersten Häuser im Patrizierweg, Baujahr 1956
Am Stadtrand 48Die deutsche Wiedervereinigung

Den neuen Bedingungen und den traditionellen Ideen Rechnung tragend, war die Genossenschaft um den Preis ihres weiteren Bestehens gezwungen, sich zu erneuern und nach der deutschen Wiedervereinigung am auch für sie geltenden Genossenschaftsrecht zu orientieren. Nach Erarbeitung und Beschlussfassung einer neuen Satzung wurde die Wohnungsgenossenschaft "Karl Marx" Potsdam e.G. unter Nr. 50 am 29.10.1990 in das Genossen-
schaftsregister
der Stadt Potsdam eingetragen.

Wohngebäude Am Stadtrand 53-56, Baujahr 1970, Rekonstruktionsjahr 2002

Altschuldenhilfegesetz

Die zurückliegenden Jahre standen im Zeichen der Konsolidierung der Genossenschaft. Durch den schrittweisen Übergang von staatlich regulierten Mieten zum System der ortsüblichen Vergleichsmieten wurde die wirtschaftliche Basis für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Bestände geschaffen.

Mit der Verabschiedung des Altschuldenhilfegesetztes im Jahre 1993 sah sich auch unsere Genossenschaft gezwungen, 15 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in Eigentumswohnungen umzuwandeln und vornehmlich an deren Bewohner zu veräußern. Die Erfüllung der Veräußerungsverpflichtung gelang und somit die Altschulden-Entlastung in Höhe von rund 97 Millionen DM.
Hans Grade im GerüstSubstanzerhaltung und Wohnwertverbesserung

In technischer Hinsicht wurde die komplexe Modernisierung und Instandsetzung der Wohnungsbestände unter den Gesichtspunkten der Substanzerhaltung und Wohnwertverbesserung sowie städtebaulichen Aspekte betrieben. Bis zum Jahr 2002 wurden rund 4.000 Wohnungen mit einem Gesamtvolumen von cirka 24 Mio Euro modernisiert. Nicht unerheblich wurden dabei auch Mittel mit dem Ziel der Einsparung von Energie bei der Bewirtschaftung unserer Häuser eingesetzt.

Vor dem Hintergund des demographischen Wandels und drastisch gestiegener Leerstandszahlen in den Wohnsiedlungen vor allem in Ostdeutschland wird es künftig darauf ankommen, wie gut es uns gelingt, auf die Markterfordernisse als Genossenschaft zu reagieren. Das Angebot, zu bezahlbaren Mieten bei angemessener Qualität zu wohnen, muss Alt und Jung erreichen und die unterschiedlichen Bedürfnisse befriedigen.

Spielplatz Lotte-Pulewka-Str.Das schließt die Möglichkeit des altenbetreuten Wohnens ebenso ein wie die Umfeldgestaltung unserer Häuser für Familien mit Kindern oder auch die Möglichkeit des studentischen Wohnens in der Universitätsstadt Potsdam.

Noch heute wie damals gilt das Prinzip der Solidargemeinschaft und auch in Zukunft soll gelten, dass gemeinsames Handeln den Einzelnen stärkt. Man mag das altmodische Wort Genossenschaft belächeln, es könnte aber helfen und wichtig werden gegen den Egoismus und die Vereinzelung in unserer Gesellschaft.